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Fern und doch nah – Marguerite Burnat-Provins au Kunstmuseum Interlaken

13 juin - 23 août

La réédition de Marguerite Burnat-Provins, oser la liberté et sa traduction en allemand Marguerite Burnat-Provins, Mut zur Freiheit, accompagnent cette exposition

Ihr ganzes Leben lang war Marguerite Burnat-Provins auf Reisen, von Arras bis zum Genfer See, vom Wallis bis nach Graubünden, fast überall in Europa, im Nahen Osten und sogar in Südamerika.
Clara von Rappard bereiste Europa, von Italien bis Deutschland, von Österreich bis zur Türkei, von Ungarn bis Griechenland.
Nun, im Sommer 2026, begegnen sich die beiden Künstlerinnen, respektive ihre Arbeiten, im Kunsthaus Interlaken zum ersten Mal.
Auch wenn auf den ersten Blick das Schaffen beider Frauen wenig Ähnlichkeit aufweist, gibt es doch einige Gemeinsamkeiten: Der künstlerische Werdegang, ihr persönliches Leben und ihre Beziehungen zu ihrem Umfeld, eine gewisse existenzielle Einsamkeit, die Vorliebe für Introspektion, eine von Symbolismus geprägte Ästhetik und eine Fin-de-siècle-Sensibilität.
Als Schriftstellerin und Künstlerin, Aktivistin für die Erhaltung des Kulturerbes, Referentin und Lehrerin schöpft Burnat-Provins (wie auch Clara von Rappard) ihre Inspiration anfänglich aus der Natur, bevor sie sich von den Wesen, die ihrer Fantasie entspringen, überwältigen lässt.
Beide Frauen stammen aus wohlhabenden Familien und werden schon in jungen Jahren im Zeichnen und, im Falle von Clara, in der Bildhauerei ausgebildet. Zahlreiche Skizzen, die unverzichtbare Meilensteine ihrer akademischen Ausbildung darstellen, belegen dies.
Von Rappard verlässt ihre Heimat Bern und erlernt ihr Handwerk nicht nur in Italien, wie es im 19. Jahrhundert der Tradition entsprochen hat, sondern auch in Deutschland.
Burnat-Provins verlässt die Ebenen der Artois, um in Paris zu studieren. Hier lernt sie ihren aus Vevey stammenden Ehemann kennen, der dort Architektur studiert.
Schon in sehr jungen Jahren sind beide Künstlerinnen auf Ausstellungen im Ausland vetreten und werden mit Auszeichnungen geehrt (Clara mit einer Goldmedaille bei der German Exhibition in London 1892 und Marguerite mit einem Ehrendiplom bei der Internationalen Ausstellung in Antwerpen 1904).
Nach ihrem Tod geraten beide zu Unrecht in Vergessenheit. Mit ein Grund dafür ist vor allem die schwierige Situation, in der sich Künstlerinnen generell zu dieser Zeit befinden.
Von Rappard zeichnet sich zunächst als Porträtistin und Landschaftsmalerin zwischen Realismus und Naturalismus (mit einem Hauch von Impressionismus) aus. Später wendet sie sich vermehrt symbolistischen Themen zu.
Burnat-Provins, welche wie ihre Künstlerkollegin eine solide klassische Ausbildung in allen Genres genossen hat, behauptet sich zunächst in der angewandten Kunst. Ganz im Stil der Verfechter des Jugendstils (wie Grasset oder Mucha) übersetzt sie pflanzliche Motive in ein dekoratives Vokabular.
Nach dem Läuten der Alarmglocken, welche 1914 die Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg ankündigen, wird Burnat-Provins von Halluzinationen betroffen, die sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1952 begleiteten: Hunderte von imaginären Figuren erscheinen ihr im Geist, eine Ersatzfamilie, die sie von da an parallel zu ihrer schriftstellerischen Tätigkeit in zahlreichen Porträts zeichnerisch festgehält.
In einer Zeit, in welcher die Reproduktion von Kunstwerken in Europa boomt, beschäftigen sich beiden Künstlerinnen auch mit Buchillustrationen: die Französisch-Schweizerin mit ihren Petits Tableaux valaisans, die Bernerin mit Illustrationen für eigene und fremde literarische Texte (Vreneli).
Eine prägnante Rolle spielt für beide Frauen die Musik. Während von Rappard Klavier spielt und sich mit Clara Schumann anfreundet, offenbart Burnat-Provins, ebenfalls Pianistin, eine unbestreitbare musikalische Bildung und sieht ihre poetische Prosa von verschiedenen Komponisten vertont.
Gemeinsam ist ihnen auch ein von körperlichen und psychischen Gesundheitsproblemen geprägtes Leben und das Schicksal der Kinderlosigkeit.
Clara von Rappard stirbt 1912, viel jünger als Marguerite Burnat-Provins, an den Folgen einer langen Krankheit.
Der Kunstliebhaber von 2026 kann dem Kunsthaus Interlaken dankbar sein, dass es in dieser Ausstellung zwei Künstlerinnen zusammenbringt, deren Existenzen sowohl von einer tragischen Dimension als auch von einem gewissen Genie geprägt sind.
Anne Murray Robertson, Kunsthistorikerin

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